„Nicht aufgeben! Weiterkämpfen, auch wenn es mal holprig wird!“ Dazu rät der ehemalige Weltcup-Skisspringer Wolfgang Loitzl und spricht damit eine Fähigkeit an, die Personaler bei den Arbeitnehmern der Generation Y und Z vermissen. Vielen jungen Leuten fehle die Fähigkeit, Aufgaben mit langem Atem zu verfolgen und Rückschläge wegzustecken, so die Experten. Resilienz – ein Thema, das in Zeiten von VUKA, Agilität und des Eintretens junger Generationen in den Arbeitsmarkt neue Brisanz erfährt. 

Eine überlebensnotwendige Kompetenz in Zeiten von VUKA

„Da musst du durch! Das macht dich härter!“ Wer von uns hat das noch nicht zu Ohren bekommen, wenn Dinge nicht funktionierten, Ziele unerreichbar wurden oder es schien, als würde Plan B zum Zug kommen müssen. Insbesondere die Generation der Babyboomer hörte das wohl in den Jahren ihres Heranwachsens von ihren Eltern häufig. Kein Wunder, war es doch diese Elterngeneration, denen über viele Jahre nichts anderes übrig blieb als durch Jahre des Krieges, der Entbehrung, des Schmerzes hindurchzutauchen. Und ja, es hat sie in der Tat härter gemacht. Aber auch widerstandsfähiger und robuster? 

Widerstandsfähigkeit wird immer dann wieder zum Thema, wenn Dinge instabiler, Entwicklungen unvorhersehbarer und Ereignisse einschneidender werden. Das ist in unserem VUKA-Zeitalter der Fall. 

Die Volatilität der Welt und Unvorhersehbar zukünftiger Entwicklungen rücken die Notwendigkeit nach dieser Kompetenz erneut ins Rampenlicht. Der sich ständig ändernde Kontext fordert von uns permanente Neuorientierung und die Bereitschaft Umwege zu gehen ohne dabei unser Ziel aus den Augen zu verlieren: wenn Arbeitgeber reorganisieren, neue Technologien den Markt auf den Kopf stellen, uns plötzlich auftretende Konkurrenten die Kunden wegnehmen oder wir durch die undurchsichtige Komplexität und Vernetzung von Dingen vor Herausforderungen gestellt werden, die wir selbst nicht verschuldet haben. 

Wer schafft es in die Spur zurückzuspringen?

Warum schaffte es Deutschland gestärkt aus der Finanzkrise hervorzugehen? Warum meisterten Unternehmen wie das deutsche Versandhaus OTTO oder der online Foto- und Druckservice CEWE die fundamentalen Umbrüche in ihren Branchen? Und welche Fähigkeiten wird der VW Konzern benötigen, um aus ihrer Krise gestärkt hervorzugehen? 

Deutschland, OTTO und CEWE bewiesen hier jene Kompetenz, die Experten als Resilienz bezeichnen. 

Damit gemeint ist die Fähigkeit, Tiefs und Niederlagen zu überstehen, anstatt daran zu zerbrechen. Bereits der lateinische Wortstamm weist darauf hin: „resiliare“ bedeutet „zurückspringen“, also ein Wiederaufnehmen der Spur, ein Aufstehen, Krone-Richten und Weitermachen, wie es heute vielfach bezeichnet wird. 

Was Resilienz ausmacht

Resilienz wird insbesondere bei Spitzensportlern immer wieder sichtbar. Athleten, die durch Verletzungen zurückgeworfen werden oder Niederlagen einstecken müssen, um eine Zeit darauf gestärkt wieder aufzutauchen um dann womöglich sogar jene Erfolge zu erzielen, die ihnen zuvor vereitelt wurden, führen uns diese Kompetenz mit Bravour vor Augen. Sie sind es auch, die aus eigener Erfahrung wissen, was es dafür braucht: „Ohne Selbstreflexion geht es nicht“, sagt der ehemalige Fußballprofi Marcell Jansen, der jetzt auch als Unternehmer erfolgreich ist. Aufgeben wäre keine Schande, meint er weiter, zum Problem würde es erst dann werden, wenn man nichts daraus lerne. Damit weist Jansen auf eine wesentliche Fähigkeit resilienter Menschen hin: Selbstreflexion. Damit diese allerdings das bewirken kann, was sie soll, nämlich Weiterentwicklung statt Selbstaufgabe, ist ein Bewusstsein über seine eigenen Stärken und Schwächen notwendig. 

Wenn Du Deine eigenen Schwachstellen kennst, dann kannst Du auch viel besser mit Kritik umgehen“, sagt Marcell Jansen1

Auch bei meinem Schwager, dem ehemaligen Skispringer Wolfgang Loitzl, wurde ich Zeuge dieser Fähigkeit: nach seiner für ihn persönlich enttäuschendsten Saison, in der er aufgrund seines Formtiefs sogar aus der österreichischen Olympiamannschaft flog, ersprang er im darauf folgenden Winter seine größten Erfolge: unter anderem gewann er die prestigeträchtige Vierschanzentournee. Auf die Frage, was ihm dabei half, aus diesem Tief gestärkt hervorzugehen, nannte Wolfgang zwei Schlüsselfaktoren: Zielorientierung und intrinsische Motivation. Die Kombination dieser beiden Faktoren war es, die ihn 18 Jahre lang antrieb, das Beste aus sich heraus zu holen2

Generation Y und Z: Kämpft weiter!

„Nicht aufgeben! Weiterkämpfen, auch wenn es mal holprig wird!“ dazu rät Wolfgang Loitzl darüber hinaus. Dass junge Menschen womöglich genau diesen Ratschlag dringend beherzigen sollten, zeigt ein Interview im Manager Seminare Magazin, zu dem auch ich eingeladen wurde: 

„Vielen Millenials fehlt es an der Fähigkeit, eine Aufgabe mit langem Atem zu verfolgen und Rückschläge wegzustecken.“ Interview im Manager Seminare Magazin3

Das ist eine Entwicklungen, die sowohl die befragten Personaler als auch ich kritisch verfolgen. Während ich durchaus befürworte, seine Karriere gemäß seinen Talenten und Vorlieben zu gestalten, nehme auch ich wahr, dass die „Love it or leave it“-Kultur junger Generationen wirkliche Weiterentwicklung nicht möglich macht. Diese passiert nämlich insbesondere dann, wenn Dinge nicht funktionieren, ich mein eigenes Verhalten kritisch reflektieren und das Feedback anderer annehmen und darauf aufbauend neue Bewältigungsstrategien umsetzen kann. Nicht um jeden Preis – das haben die jungen Menschen von ihren Elterngenerationen gelernt – aber doch um des Weiterentwicklungswillen. 

In der VUKA-Welt reicht auch ein Plan B häufig nicht mehr aus

Die Fähigkeit, sich auch bei Schwierigkeiten von seinen Zielen nicht abbringen zu lassen, erlangt in einer von Volatilität, Unsicherheit und Komplexität geprägten Zeit zunehmende Bedeutung. Während wir uns nämlich in gefühlt längst vergangenen Zeiten noch auf Modelle, Berechnungen oder zumindest Best Practices oder Benchmarks verlassen konnten, um Plan A oder zumindest Plan B zu konstruieren, zeigen sich diese Bewältigungsstragien in Zeiten von VUCA nicht mehr zielführend. 

VUKA führt dazu, dass auf Vernunft basierte Strategien unzulänglich werden. Was uns bleibt, ist ein Try-and-Error-Vorgehen – Scheitern- Reflektieren-Weitermachen inklusive. 

Will man in diesem Kontext überleben oder sogar erfolgreich sein, kommt man um Resilienz nicht herum. Für ein erfolgreiches Vorankommen braucht es nicht nur die Erkenntnis, dass der eingeschlagene Weg nicht weiterführt, sondern auch die Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft sich auf Alternativen einzulassen. Vorallem aber braucht es die Kenntnis seiner Stärken und Schwächen, sowie den Glauben an seine Fähigkeiten und eine klare Zielorientierung. Oder einfacher gesagt: wahre Resilienz braucht ein stabiles ICH. 

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QUELLEN: 

1 Jansen, Marcell (2019): Sei doch einfach mal Mensch – warum es ok ist zu scheitern. Aufgerufen am 01.07.19, https://www.xing.com/news/insiders/articles/sei-doch-einfach-mal-mensch-warum-es-ok-ist-zu-scheitern-2346819?xng_share_origin=web

2 Würzburger, Thomas (2016): Key Skills für die Generation Y. Springer Verlag, Wiesbaden. S. 93ff

3 Gilles, Constantin (2019): Coaching für die Generation Y anbieten. In: Manager Seminare 03/19. 

Eine Idee zu “Was Sie wirklich brauchen, um zum agilen Umsetzer zu werden: #5 Resilienz

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